Statement der Autonomen FrauenLesben Köln

stitchnbitch

Nicht mit unserer Stimme, nicht in unserem Sinne

Welche unglaubliche Scheinheiligkeit und welches Machtbewußtsein schlägt uns bei der medialen und politischen Bearbeitung der sexistischen und sexualisierten Gewalt vom Silvesterabend in Politiker*reden, Polizeistatements, Artikeln, Kommentaren entgegen. Können wir Frauen Lesben Trans- und Intersexuellen froh sein, dass endlich mal das Thema sexualisierte Gewalt in aller Munde ist, weil wir diese Realitäten auf dem Oktoberfest, im Stadion, Karneval und bei vielen anderen Großevents schon immer erleben? Aber es geht jetzt nicht um sexuelle Gewalt, es geht um etwas anderes: die betroffenen Frauen vom 31.12.15 werden für eine rassistische Kampagne benutzt: nicht der Sexismus ist das Problem, sondern die zu uns Geflüchteten, die Eingewanderten. Wir als Frauenlesben werden mit unserer Gewalterfahrung benutzt, um den Rassismus, der auch tödlich sein kann in diesem Land, zu stärken. Jetzt soll abgeschoben werden, damit unsere Sicherheit sich erhöht. Das ist lächerlich: wir sind weiterhin sexualisierter Gewalt ausgesetzt und sie wird zunehmen, weil die gesellschaftlichen Verhältnisse sich brutalisieren und für Männer stereotype maskuline gewalttätige Rollen angeboten und reproduziert werden.

Gewalt gegen Frauen* findet statt, auf öffentlichen Silvesterpartys in Deutschland ebenso wie auf dem Tahrirplatz in Ägypten oder bei den Gezi-Protesten in Istanbul. Vergewaltigende Männer sind vergewaltigende Männer, egal wo. Wir müssen nicht wiederholen, das alle drei Minuten in Deutschland eine Frau vergewaltigt wird und zwar zu 90% von Männern aus ihrem nahen Umfeld. Diese Zahlen sind kaum
vorstellbar und darin sind die sexualisierten Übergriffe noch nicht mitgezählt.

Sexualisierte Gewalt ist Teil der herrschenden Verhältnisse, Teil des Neoliberalismus, Teil des Rassismus, Teil der Macht.Frau* kann die Gewalterfahrungen aus der Siylvesternacht und vielen anderen Situationen – die Dunkelziffer der Vergewaltigungen beim Oktoberfest liegt bei 200 in jedem Jahr! – als Kriegserklärung begreifen. Warum gibt es zum Sexismus auf den Oktoberfesten keinen Aufschrei in Politik und Medien? – Weil deutsche Männer, Männer aus Westeuropa die Täter sind, deren sexistische Gewalt verschwiegen wird. Können wir über ein Verbot des Festes nachdenken? Welch absurde Idee, denken viele. Aber der öffentliche Raum ist ein frauenfeindlicher.

Die patriarchale Macht hält sich u.a. mit Krieg über Wasser. Kriege unterschiedlicher Intensität. Offen militärische Kriege in Afghanistan, Syrien, Mali finden statt mit Beteiligung der Bundeswehr – und ein Widerstand ist wenig sichtbar. Diese Kriege zertrümmern soziale Strukturen, Strukturen, in denen Frauen sich einen Raum an gesellschaftlicher Teilhabe erobert haben, brechen weg. Marodierende Männerbanden brutalisieren den Alltag und verhindern die Teilhabe der Frauen und Mädchen am öffentlichen Leben, sie gehen nicht mehr auf die Strasse, nicht in die Schule etc. Der Krieg des „demokratischen“ Westens intensiviert und zementiert diesen Ausschluss. Die Gewalt globalisiert sich, sie kommt zurück, mit deutschen traumatisierten gewalttätigen Soldaten, mit den geflüchteten Männern aus den Kriegsgebieten.Kein kriegsführender Staat übernimmt dafür die Verantwortung – alles dient der Logik patriachalen Machterhalts. Der militärich-industrielle Komplex nimmt weltweit an Bedeutung zu, Männergewalt wird darin gefördert als Soldat, als Privatarmist, als private Sicherheitskraft, als Polizist. Der Ausnahmezustand regiert in vielen Staaten des Westens. Wir wissen, dass damit eine Verrohung ziviler Strukturen einhergeht und unsere Sicherheit als Frauenlesben abnimmt. Gewalt wird permanent reproduziert, in den Kriegen, im Alltag, in der patriachalen Familienstruktur, in der Heteronormalität.

Waltraud Schwab schreibt in der taz: „Die Würde der Frauen ist antastbar. Warum? Weil sie es nie nicht war“. Die Kölner Polizei wollte nicht wahrhaben, was sich vor ihren Augen abspielte. Sexualisierte und sexuelle Gewalt gehören zum Spaßprogramm der Männerwelt, werden verharmlost und in Vergewaltigungsprozessen werden die Frauen oft gedemütigt. Auf dem Oktoberfest 2015 haut eine Frau den Bierkrug gegen den Mann, der sexuelle Gewalt gegen sie ausübte: nicht der Angreifer, sondern die Frau steht vor Gericht.

Schließen wir uns als Frauen Lesben u.a. zusammen, die eine feministische Idee verbindet, die mit dem gewalttätigen Patriarchat bricht, die Sexismus, Rassismus, Ausgrenzung, Krieg und Ausbeutung hinter sich lässt und ein würdiges Leben ermöglicht.
Refugees welcome
Frauen schlagt zurück


Besuchen wir die Büros der Medien und verlangen den Stopp der rassistischen frauenverachtenden Berichte in Radio, Fernsehen, online, in den Printmedien. In der rassistischen Berichterstattung offenbart sich der ganze Frauen*hass in dieser patriarchalen Gesellschaft.

Automone FrauenLesben Köln